Implantat bei Parodontitis: Wann es möglich ist, wie der Ablauf aussieht und was Sie vorher klären sollten

Behandlungszimmer der Zahnarztpraxis KARLI1 in Leipzig mit Behandlungsstuhl und Röntgenbild
KARLI1 Zahn Zentrum LeipzigFoto: Sophie Valentin

Ein Zahn fehlt oder wackelt, und Sie haben Parodontitis oder hatten sie früher? Dann fragen Sie sich vermutlich: Ist ein Implantat bei Parodontitis überhaupt möglich?

Die ehrliche Antwort lautet: Das kann sein, aber nicht in jeder Lage und nicht sofort. Zuerst muss die Entzündung im Mund unter Kontrolle sein. Danach lässt sich in vielen Fällen prüfen, ob ein Implantat infrage kommt. In diesem Ratgeber erklären wir, warum die Reihenfolge so wichtig ist, wie der Weg aussieht und was Sie selbst beitragen können. Am Ende finden Sie eine Checkliste für Ihr Beratungsgespräch.

Implantat bei Parodontitis: Das Wichtigste in Kürze

  • Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats. Sie kann Zahnfleisch und Kieferknochen angreifen.
  • Ein Zahnimplantat ist auch bei Parodontitis nicht automatisch ausgeschlossen. Entscheidend ist, dass die Entzündung vorher behandelt wird.
  • Wer Parodontitis hatte, hat ein höheres Risiko für Entzündungen am Implantat. Das ist kein Hinderungsgrund, aber ein Grund für gute Planung und Nachsorge.
  • Mundhygiene, Rauchen und gut eingestellte Grunderkrankungen (zum Beispiel Diabetes) beeinflussen den Verlauf.
  • Nach dem Implantat sind regelmäßige Kontrollen und professionelle Zahnreinigungen wichtig, und zwar dauerhaft.
  • Ob ein Implantat für Sie geeignet ist, zeigt erst eine Untersuchung mit Bildgebung.

Was bei Parodontitis im Mund passiert

Zahnbelag enthält Bakterien. Bleibt er am Zahnfleischrand, kann sich das Zahnfleisch entzünden. Greift die Entzündung auf den Zahnhalteapparat über, sprechen Zahnärzte von Parodontitis. Der Knochen um die Zähne kann sich dabei zurückbilden. Anzeichen sind Zahnfleischbluten, Mundgeruch, zurückgehendes Zahnfleisch und im späteren Verlauf lockere Zähne.

Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Parodontitis-Behandlung.

Für Implantate ist das wichtig, weil dieselben Bakterien auch an einem Implantat Probleme machen können. Zudem braucht ein Implantat genug gesunden Knochen. Nach einer Parodontitis ist davon manchmal weniger übrig. In dem Fall hilft ein Blick auf unseren Beitrag zu Knochenaufbau und Sinuslift.

Zahnimplantat trotz Parodontitis: Geht das?

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) schreibt für Patientinnen und Patienten: Eine unbehandelte Parodontitis kann eine Implantatbehandlung ausschließen oder das Risiko für einen Implantatverlust erhöhen. Bestehende Entzündungen müssen vor dem Eingriff fachgerecht behandelt werden.

Das heißt im Umkehrschluss: Parodontitis allein ist kein endgültiges Nein. Ein Nein auf Zeit ist es dagegen oft. Erst wenn das Zahnfleisch zur Ruhe gekommen ist und Sie Ihre Zähne gut pflegen können, kann ein Implantat sinnvoll geplant werden.

Ehrlich gehört auch dazu: Eine überstandene Parodontitis bleibt ein Risikofaktor. Die S3-Leitlinie zur Behandlung periimplantärer Infektionen nennt Parodontalerkrankungen in der Vorgeschichte ausdrücklich unter den patientenbezogenen Risikofaktoren, neben schlechter Mundhygiene und unregelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Das Risiko lässt sich also zu einem guten Teil mitgestalten, durch Behandlung, Pflege und Kontrollen.

Der Weg zum Implantat: So läuft es in der Regel ab

Jeder Fall ist anders. Der Weg sieht in der Regel so aus, Ihr persönlicher Plan kann abweichen:

  1. Untersuchung und Beratung: Wir untersuchen Zähne, Zahnfleisch und Kieferknochen und besprechen Ihre Wünsche und Vorerkrankungen.
  2. Bildgebung: Röntgenbilder, bei Bedarf hochauflösend in 3D, zeigen den Knochen und helfen bei der Planung.
  3. Parodontitis-Behandlung: Besteht eine Entzündung, wird sie zuerst behandelt. Dazu gehört, dass Beläge und Bakterien unter dem Zahnfleischrand gründlich entfernt werden. Eine professionelle Zahnreinigung kann den Weg begleiten.
  4. Zwischenkontrolle: Danach wird geprüft, ob sich das Zahnfleisch beruhigt hat und ob die Pflege zu Hause gut klappt.
  5. Individueller Behandlungsplan: Sie erhalten einen Heil- und Kostenplan mit den geplanten Schritten und der Kostenübersicht.
  6. Implantat und Einheilphase: Das Implantat wird unter örtlicher Betäubung eingesetzt. Danach heilt es in den Knochen ein. Das braucht Zeit und lässt sich nicht beliebig abkürzen.
  7. Krone, Brücke oder Prothese: Nach der Einheilung folgt die Versorgung auf dem Implantat.
  8. Nachsorge: Regelmäßige Kontrollen und Zahnreinigungen halten Zahnfleisch und Implantat gesund.

Einen Gesamtüberblick finden Sie in unserem Ratgeber zum Zahnimplantat in Leipzig. Wie lange es bei Ihnen dauert, hängt von Befund, Heilung und Knochen ab. Einen Zeitplan nennen wir erst nach der Untersuchung.

Parodontitis vor dem Implantat behandeln: Warum das Zeit braucht

Viele Patientinnen und Patienten möchten schnell eine Lösung. Das ist verständlich. Trotzdem zahlt sich der Umweg aus. Ein Implantat in entzündetem Gewebe startet mit einer schlechten Ausgangslage. Zudem ist die Behandlung nicht „mit einem Termin“ erledigt.

Nach der S3-Leitlinie zur Parodontitistherapie (Stadien I bis III) läuft die Behandlung in aufeinander aufbauenden Stufen. Am Anfang stehen bessere Mundhygiene und die Kontrolle von Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes. Es folgt die gründliche Reinigung unter dem Zahnfleischrand. Zum Schluss steht eine dauerhafte, strukturierte Nachsorge. Die Abstände liegen laut Leitlinie individuell zwischen drei und zwölf Monaten.

Auch ein Gedanke zum Zahnerhalt gehört hierher: Nicht jeder Zahn muss gezogen werden. Ein Fachartikel in den zm betont, dass der Erhalt eigener Zähne mit angemessener Therapie den Zeitpunkt für Implantate hinauszögern kann. Wenn ein Zahn noch zu retten ist, besprechen wir das ehrlich mit Ihnen. Wackeln Zähne schon, lesen Sie unseren Beitrag zu lockeren Zähnen.

Periimplantitis: Das Risiko verstehen

Entzündungen am Implantat haben zwei Stufen:

  • Periimplantäre Mukositis: Das Zahnfleisch um das Implantat ist entzündet, der Knochen ist noch nicht betroffen. Sie gilt als Vorstufe und sollte früh behandelt werden.
  • Periimplantitis: Die Entzündung hat den Knochen um das Implantat erreicht. Er baut sich dann ab, und das Implantat kann seinen Halt verlieren.

Beide Formen entstehen durch bakteriellen Belag. Die DG PARO weist darauf hin, dass sie oft ohne Schmerzen verlaufen. Warnzeichen sind Zahnfleischbluten, Schwellung und Mundgeruch. Deshalb sollten Sie bei diesen Zeichen nicht abwarten, sondern früh zur Kontrolle kommen. Eine Zahnfleischentzündung am Implantat ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, zeitnah zu handeln.

Nachsorge: Was nach dem Implantat zählt

Nach einer Parodontitis ist die Nachsorge kein Extra, sondern Teil der Behandlung. Als Orientierung nennt die DG PARO Kontrollbesuche etwa alle drei bis sechs Monate. Die S3-Leitlinie zu periimplantären Infektionen empfiehlt regelmäßige Nachkontrollen, zum Beispiel alle drei Monate. Wie oft es bei Ihnen sinnvoll ist, legen wir individuell fest.

Zu einer guten Nachsorge gehören in der Regel:

  • Kontrolle von Zahnfleisch und Implantat,
  • professionelle Zahnreinigung, auch rund um das Implantat (mehr unter Professionelle Zahnreinigung in Leipzig),
  • Anleitung zur Pflege zu Hause, zum Beispiel mit Zahnzwischenraumbürsten,
  • Röntgenkontrollen, wenn sie medizinisch angezeigt sind.

Ihr täglicher Einsatz zu Hause ist dabei der wichtigste Baustein. Die Praxis kann nur ergänzen.

Checkliste: Voraussetzungen für ein Implantat bei Parodontitis

Voraussetzung Warum sie wichtig ist Was Sie tun können
Parodontitis behandelt, Zahnfleisch beruhigt Entzündungen sollen vor dem Eingriff fachgerecht behandelt sein Behandlung und Termine wahrnehmen
Gute Mundhygiene Belag ist die Hauptursache für Entzündungen am Implantat Pflege üben, Hilfsmittel erklären lassen
Rauchen reduzieren oder beenden Nikotin gilt nach DG PARO als starker Risikofaktor für Implantatverlust Hilfe suchen, siehe Rauchen und Zähne
Diabetes gut eingestellt Nach DG PARO sollte ein Diabetes behandelt und gut eingestellt sein Werte mit der Hausarztpraxis abstimmen, siehe Mundgesundheit bei Diabetes
Ausreichend Kieferknochen Das Implantat braucht festen Halt Untersuchung mit Bildgebung, bei Bedarf Aufbau besprechen
Bereitschaft zur Nachsorge Dauerhafte Kontrollen senken das Risiko für Probleme Kontrolltermine fest einplanen

Wenn ein Punkt noch nicht passt, ist das kein Urteil über Sie. Oft lässt sich genau daran gemeinsam arbeiten.

Kosten und Zuschuss in Kürze

Implantate sind bei gesetzlich Versicherten grundsätzlich keine Kassenleistung. Ausnahmen gibt es nur selten, sie müssen vor der Behandlung beantragt werden. Die Kasse zahlt einen Festzuschuss zur Regelversorgung, zum Beispiel zu einer Brücke. Bei geringem Einkommen kann der Zuschuss höher ausfallen. Was eine private oder zusätzliche Versicherung erstattet, hängt vom Tarif ab. Den Heil- und Kostenplan sollten Sie deshalb vorab einreichen. Den Preis nennen wir erst nach der Untersuchung, weil er vom Einzelfall abhängt. Warum Preise rund ums Implantat so unterschiedlich ausfallen, erklärt unser Beitrag Was kostet ein Zahnimplantat?

Ihr nächster Schritt bei KARLI1

Sie haben Parodontitis und möchten wissen, ob ein Implantat bei Ihnen möglich ist? In unserer Praxis in der Karl-Liebknecht-Straße 1 in Leipzig-Zentrum-Süd untersuchen wir Zähne, Zahnfleisch und Kieferknochen, besprechen die Parodontitis-Behandlung und erklären Ihnen die Möglichkeiten, verständlich und ohne Druck. Ob ein Implantat und welcher Weg für Sie infrage kommt, klären wir in der Beratung. Wenn Sie Angst vor dem Zahnarzt haben, sagen Sie es uns bitte, mehr dazu unter Angstpatienten in Leipzig. Unser Angebot im Überblick finden Sie auf der Seite Implantologie in Leipzig.

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine persönliche Beratung oder Untersuchung. Ob und welche Behandlung für Sie geeignet ist, klären wir gemeinsam nach einer Untersuchung.

Quellen

Häufige Fragen zum Implantat bei Parodontitis

Kann ich trotz Parodontitis ein Zahnimplantat bekommen?

Das kann möglich sein. Voraussetzung ist in der Regel, dass die Parodontitis vorher behandelt wurde und das Zahnfleisch zur Ruhe gekommen ist. Eine unbehandelte Parodontitis kann ein Implantat ausschließen oder das Risiko für Probleme erhöhen. Ob es bei Ihnen infrage kommt, zeigt die Untersuchung.

Warum muss die Parodontitis vor dem Implantat behandelt werden?

Die Bakterien, die das Zahnfleisch entzünden, können auch ein Implantat besiedeln und den Knochen darum angreifen. Deshalb sollen bestehende Entzündungen zuerst fachgerecht behandelt werden. Das schützt auch Ihre übrigen Zähne.

Wie hoch ist das Risiko einer Periimplantitis nach Parodontitis?

Fachgesellschaften zählen eine Parodontitis in der Vorgeschichte zu den Risikofaktoren für Entzündungen am Implantat. Wie hoch das Risiko bei Ihnen ist, hängt unter anderem von Mundhygiene, Rauchen, Grunderkrankungen und der Nachsorge ab. Einen Zahlenwert für Ihren Einzelfall kann niemand seriös nennen.

Woran erkenne ich eine Zahnfleischentzündung am Implantat?

Typische Zeichen sind Zahnfleischbluten beim Putzen, Rötung, Schwellung, Mundgeruch oder ein schlechter Geschmack. Schmerzen fehlen anfangs oft. Melden Sie sich bitte früh bei uns, auch wenn nichts wehtut. Je früher eine Entzündung erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.

Wie oft sollte ich nach dem Implantat zur Kontrolle?

Fachgesellschaften nennen als Orientierung Kontrollen etwa alle drei bis sechs Monate. Bei Parodontitis legen wir die Abstände individuell mit Ihnen fest, je nach Zahnfleischbefund und Pflege. Meist werden Kontrolle und professionelle Zahnreinigung kombiniert.

Hilft es, wenn ich mit dem Rauchen aufhöre?

Ja, das kann einen Unterschied machen. Rauchen gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Implantatprobleme und kann auch die Parodontitis-Behandlung erschweren. Jede Reduktion hilft, ein vollständiger Rauchstopp ist besser. Sprechen Sie uns offen darauf an, wir urteilen nicht.

Muss bei Parodontitis immer ein Zahn gezogen werden?

Nein. Viele Zähne lassen sich nach einer Parodontitis-Behandlung erhalten. Ob ein Zahn noch Halt hat, beurteilen wir nach Untersuchung und Röntgenbild. Wird er entfernt, besprechen wir mit Ihnen mögliche Wege, zum Beispiel Implantat, Brücke oder Prothese.

Zahlt die Krankenkasse das Implantat bei Parodontitis?

Implantate sind bei gesetzlich Versicherten grundsätzlich keine Kassenleistung, Ausnahmen sind selten und müssen vorab beantragt werden. Die Kasse zahlt einen Festzuschuss zur Regelversorgung. Die Parodontitis-Behandlung wird nach eigenen Regeln abgerechnet. Ihren Heil- und Kostenplan reichen Sie vorab bei Ihrer Kasse oder Versicherung ein.