Knochenaufbau und Sinuslift vor dem Zahnimplantat: Wann nötig, wie läuft es ab, was kostet es?
Foto: Sophie ValentinDer Zahnarzt sagt: „Für ein Implantat ist an dieser Stelle zu wenig Knochen da.“ Das ist für viele Menschen ein Schreck. Dabei ist es kein Grund, die Hoffnung auf ein Implantat aufzugeben. Oft lässt sich der Kiefer mit einem Knochenaufbau oder einem Sinuslift so vorbereiten, dass ein Implantat möglich wird.
In diesem Ratgeber erklären wir verständlich, warum der Knochen schwindet, welche Verfahren es gibt, wie lange die Behandlung dauert und wer die Kosten trägt. Am Ende finden Sie eine Liste mit Fragen für Ihr Beratungsgespräch.
Knochenaufbau vor dem Implantat: Das Wichtigste in Kürze
- Ein Implantat braucht ausreichend Kieferknochen, damit es fest einheilen kann.
- Fehlt Knochen, kann ein Knochenaufbau infrage kommen. Im Oberkiefer bei den Backenzähnen heißt das Verfahren oft Sinuslift.
- Der Eingriff erfolgt üblicherweise unter örtlicher Betäubung.
- Nach dem Aufbau braucht der Knochen meist mehrere Monate, um sich zu festigen.
- Gesetzliche Krankenkassen zahlen Implantate grundsätzlich nicht. Fragen Sie vor der Behandlung bei Ihrer Kasse nach.
- Ob ein Aufbau nötig ist, zeigt erst eine Untersuchung mit Bildgebung.
Warum geht Kieferknochen verloren?
Der Kieferknochen braucht Belastung, um stabil zu bleiben. Jeder Zahn gibt beim Kauen kleine Reize an den Knochen weiter. Fehlt ein Zahn, fehlt dieser Reiz, und der Knochen kann sich an der Stelle mit der Zeit zurückbilden. Je länger die Lücke besteht, desto mehr Knochen kann verloren gehen.
Auch andere Ursachen spielen eine Rolle:
- Zahnfleischerkrankungen und Parodontitis: Die Entzündung kann den Knochen rund um die Zähne angreifen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Parodontitis-Behandlung.
- Entzündungen an der Zahnwurzel oder ein schwieriges Zahnziehen.
- Druck durch eine Prothese, die auf dem Kiefer aufliegt.
- Unfälle oder angeborene Besonderheiten.
- Im Oberkiefer: Die Kieferhöhle kann nach unten wachsen, wenn Backenzähne fehlen. Dann bleibt weniger Platz für ein Implantat.
Deshalb gilt: Wenn Sie überlegen, eine Lücke zu schließen, lohnt sich ein früher Beratungstermin. Mehr zur Planung erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Zahnimplantat in Leipzig.
Woran erkennt der Zahnarzt, ob Knochen fehlt?
Ob der Knochen für ein Implantat reicht, sieht man nicht von außen. Dafür braucht es Bildgebung: ein Röntgenbild und, wenn nötig, eine dreidimensionale Aufnahme (3D-Röntgen). Sie zeigt Höhe, Breite und Beschaffenheit des Knochens und die Lage wichtiger Strukturen, zum Beispiel Nerven und Kieferhöhle.
Auf dieser Grundlage entsteht ein Behandlungsplan. Bei vielen Menschen reicht der Knochen aus. Bei anderen ist eine Vorbereitung sinnvoll. Beides ist normal.
Welche Verfahren gibt es?
Es gibt nicht „den einen“ Knochenaufbau. Welches Verfahren passt, hängt davon ab, wo und wie viel Knochen fehlt.
| Verfahren | Wofür es gedacht ist | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Aufbau mit Knochenersatzmaterial | Knochen ist zu schmal oder hat eine Mulde | Das Material wird an der Stelle eingebracht und oft mit einer dünnen Membran abgedeckt. Der Körper baut es nach und nach in eigenen Knochen um. |
| Aufbau mit körpereigenem Knochen | Größere Defekte | Knochen wird an anderer Stelle im Mund entnommen und eingesetzt. |
| Sinuslift | Oberkiefer, Backenzahnbereich, wenig Knochenhöhe | Der Boden der Kieferhöhle wird angehoben, darunter entsteht Platz für Knochen. |
| Aufbau gleichzeitig mit dem Implantat | Nur kleine Defekte | Aufbau und Implantat erfolgen im selben Termin. |
Welche Methode für Sie geeignet ist, entscheidet der behandelnde Zahnarzt nach der Untersuchung.
Was ist ein Sinuslift?
Die Kieferhöhle (lateinisch „Sinus maxillaris“) ist ein luftgefüllter Hohlraum im Oberkiefer, direkt über den Backenzähnen. Ist der Knochen darunter sehr dünn, hat ein Implantat dort zu wenig Halt.
Beim Sinuslift wird der Boden der Kieferhöhle vorsichtig angehoben. In den entstandenen Raum kommt Knochen oder Knochenersatzmaterial. Man unterscheidet zwei Wege:
- Interner Sinuslift: Der Zugang erfolgt durch die Öffnung für das Implantat. Er eignet sich, wenn nur wenig Höhe fehlt.
- Externer Sinuslift: Der Zugang erfolgt seitlich. Er kommt bei größerem Bedarf infrage.
Beides sind Eingriffe, die Erfahrung brauchen. Fragen Sie in der Beratung ruhig nach, wie oft die Praxis oder die überweisende Fachpraxis solche Eingriffe durchführt.
Welches Material wird verwendet?
Es gibt vier Gruppen von Material:
- Eigener Knochen (autolog): stammt aus Ihrem eigenen Körper.
- Menschlicher Spenderknochen (allogen): wird aufbereitet und geprüft.
- Tierischer Herkunft (xenogen): zum Beispiel aufbereitetes Material vom Rind.
- Künstlich hergestellt (synthetisch): ohne tierische oder menschliche Bestandteile.
Jedes Material hat Vor- und Nachteile. Haben Sie religiöse, ethische oder gesundheitliche Vorgaben, zum Beispiel vegetarisch, vegan oder halal, sagen Sie es bitte früh. Dann können wir gemeinsam passende Möglichkeiten prüfen.
Wie läuft ein Knochenaufbau ab?
Jeder Fall ist anders. Meist sieht der Weg so aus:
- Beratung und Untersuchung: Wir besprechen Ihre Situation, Vorerkrankungen und Wünsche.
- Bildgebung und Planung: Auf Röntgenbildern beurteilen wir, wo und wie viel Knochen fehlt.
- Heil- und Kostenplan: Sie erhalten die geplanten Schritte und Kosten schriftlich.
- Eingriff: In der Regel unter örtlicher Betäubung. Bei Angst sprechen wir vorab über Möglichkeiten, den Termin für Sie angenehmer zu machen.
- Heilphase: Der Knochen festigt sich. Das dauert meist mehrere Monate und lässt sich nicht beliebig abkürzen.
- Kontrolle und Implantat: Zeigt die Kontrolle, dass der Knochen ausreicht, wird das Implantat gesetzt.
Wer Angst vor dem Eingriff hat, findet Informationen unter Angstpatienten in Leipzig.
Wie lange dauert die Behandlung?
Die ehrliche Antwort: Das ist individuell. Wichtig sind vor allem:
- Umfang des Aufbaus: Kleine Defekte heilen meist schneller als große.
- Ort: Ober- und Unterkiefer verhalten sich unterschiedlich.
- Ihre Gesundheit: Zahnfleischentzündungen müssen vorher behandelt sein. Auch Rauchen und eine nicht gut eingestellte Zuckerkrankheit können die Heilung beeinflussen. Mehr dazu in unserem Beitrag Mundgesundheit bei Diabetes.
Planen Sie bei einem Aufbau vor dem Implantat zusätzlich mehrere Monate ein. Einen Zeitplan, der zu Ihnen passt, erhalten Sie nach der Untersuchung.
Was ist nach dem Eingriff zu beachten?
Nach der Betäubung sind Schwellung, Spannungsgefühl und leichte Beschwerden möglich. Das ist bei vielen Eingriffen im Mund so, wie stark es ausfällt, ist unterschiedlich. Diese Dinge helfen in der Regel:
- Die Hinweise der Praxis genau befolgen, auch bei Medikamenten.
- Den operierten Bereich schonen und weiche Kost bevorzugen.
- Die Zähne weiter gründlich pflegen, die Wunde aber nur so reinigen, wie es Ihnen erklärt wurde.
- Wenn möglich nicht rauchen, denn es kann die Heilung stören.
- Zu allen Kontrollterminen gehen.
Bei starken Schmerzen, zunehmender Schwellung, Fieber oder Nachblutungen melden Sie sich bitte sofort in der Praxis. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an den zahnärztlichen Notdienst.
Was kostet ein Knochenaufbau und wer zahlt?
Hier gilt es, die Lage ehrlich zu erklären:
- Gesetzliche Krankenkasse: Implantate sind nach Auskunft der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) grundsätzlich keine Kassenleistung. Eine Ausnahme besteht in seltenen Fällen, in denen eine herkömmliche Versorgung nicht möglich ist, zum Beispiel nach bestimmten Unfällen oder Operationen. Das muss vor Behandlungsbeginn bei der Kasse beantragt werden.
- Festzuschuss: Die Kasse zahlt einen Zuschuss zur Regelversorgung, also zu dem, was etwa eine Brücke kosten würde. Er hängt nicht von der gewählten Behandlung ab.
- Härtefälle: Bei geringem Einkommen kann der Zuschuss höher ausfallen. Fragen Sie Ihre Krankenkasse.
- Private Versicherung und Zusatzversicherung: Was erstattet wird, hängt vom Tarif ab. Reichen Sie den Heil- und Kostenplan vorher ein.
Die Kosten für einen Aufbau hängen davon ab, wie viel Knochen fehlt und welches Material verwendet wird. Eine Zahl nennen wir deshalb erst nach der Untersuchung. Warum Preise rund ums Implantat so unterschiedlich sind, erklärt unser Beitrag Was kostet ein Zahnimplantat?
Gibt es Alternativen zum Knochenaufbau?
Manchmal ja. Je nach Befund können kürzere oder schmalere Implantate, eine geänderte Position oder eine Brücke oder Prothese infrage kommen. Jede Lösung hat Vor- und Nachteile. Eine Übersicht finden Sie in den Beiträgen Implantat oder Brücke und Zahnimplantate: Vorteile und Nachteile.
Wichtig ist: Entscheiden Sie nicht unter Zeitdruck. Eine gute Praxis erklärt Ihnen alle Möglichkeiten.
Checkliste: Diese Fragen sollten Sie vor einem Knochenaufbau stellen
| Frage | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Wo und wie viel Knochen fehlt, und woran sieht man das? | Sie sollten die Bilder und den Befund verstehen. |
| Welches Verfahren und welches Material schlagen Sie vor, und warum? | Es gibt mehrere Wege, auch mit Blick auf Ihre Wünsche. |
| Gibt es Alternativen, auch ohne Aufbau? | Sie haben das Recht auf alle Möglichkeiten. |
| Wie lange dauert es bis zum Implantat? | So können Sie Ihre Zeit planen. |
| Welche Risiken gibt es? | Seriöse Praxen sprechen offen darüber. |
| Bekomme ich einen schriftlichen Heil- und Kostenplan? | Nur so können Sie Angebote vergleichen und bei der Kasse einreichen. |
| Wie sieht die Nachsorge aus? | Kontrollen sichern das Ergebnis. |
Ihr nächster Schritt bei KARLI1
Sie möchten wissen, ob bei Ihnen ein Implantat möglich ist, und ob dafür ein Knochenaufbau nötig wäre? In unserer Praxis in der Karl-Liebknecht-Straße 1 in Leipzig-Zentrum-Süd besprechen wir Ihre Situation, schauen uns die Röntgenbilder an und erklären Ihnen die Möglichkeiten, verständlich und ohne Druck. Mehr zu unserem Angebot finden Sie auf der Seite Implantologie in Leipzig.
- Online buchen: Wählen Sie Ihren Termin über unsere Online-Terminbuchung.
- Telefonisch: Rufen Sie uns an unter 0341 303 828 9, Mo–Do 8–18 Uhr, Fr 8–14 Uhr.
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine persönliche Beratung oder Untersuchung. Ob und welche Behandlung für Sie geeignet ist, klären wir gemeinsam nach einer Untersuchung.
Häufige Fragen zu Knochenaufbau und Sinuslift
Wann ist ein Knochenaufbau vor einem Zahnimplantat nötig?
Wenn der Kieferknochen an der geplanten Stelle zu schmal, zu niedrig oder zu weich ist, um ein Implantat sicher zu halten. Das kommt zum Beispiel vor, wenn ein Zahn schon lange fehlt, nach einer Zahnfleischerkrankung oder nach einer Entzündung. Ob es bei Ihnen nötig ist, zeigt die Untersuchung mit Röntgenbild.
Wie lange dauert ein Knochenaufbau?
Der Eingriff selbst ist je nach Umfang unterschiedlich lang. Danach braucht der Knochen Zeit, um sich zu festigen. Häufig vergehen dafür mehrere Monate, bevor das Implantat gesetzt wird. In manchen Fällen können Knochenaufbau und Implantat auch im selben Termin erfolgen. Das entscheidet sich nach der Planung.
Ist ein Knochenaufbau schmerzhaft?
Der Eingriff findet in der Regel unter örtlicher Betäubung statt, Sie sollten dabei keinen Schmerz spüren. Danach sind Schwellung, Spannungsgefühl und leichte Beschwerden möglich. Wie stark sie ausfallen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Wir besprechen vorab, was Sie danach beachten sollten.
Was ist ein Sinuslift?
Im Oberkiefer liegt über den Backenzähnen die Kieferhöhle. Ist dort wenig Knochen vorhanden, kann der Boden der Kieferhöhle vorsichtig angehoben und der entstehende Raum mit Knochen oder Knochenersatzmaterial aufgefüllt werden. Das nennt man Sinuslift. So entsteht mehr Platz für das Implantat.
Welches Material wird für den Knochenaufbau verwendet?
Es gibt körpereigenen Knochen, Knochenersatzmaterial menschlicher oder tierischer Herkunft und künstlich hergestellte Materialien. Welches Material infrage kommt, hängt von Ihrer Situation und Ihren Wünschen ab. Sprechen Sie uns gern darauf an, wenn Sie bestimmte Vorgaben haben, zum Beispiel aus religiösen oder ethischen Gründen.
Zahlt die Krankenkasse den Knochenaufbau?
Bei gesetzlich Versicherten übernimmt die Kasse Implantate grundsätzlich nicht. Ausnahmen gibt es nur in seltenen Fällen, etwa wenn eine herkömmliche Versorgung nicht möglich ist. Der Festzuschuss der Kasse bezieht sich auf die Regelversorgung. Ob und was bei Ihnen erstattet wird, klären Sie am besten vorab mit Ihrer Kasse oder Versicherung anhand des Heil- und Kostenplans.
Gibt es Alternativen, wenn ich keinen Knochenaufbau möchte?
Ja. Je nach Situation können kürzere Implantate, eine andere Platzierung oder eine Brücke oder Prothese infrage kommen. Jede Möglichkeit hat Vor- und Nachteile. Wir erklären Ihnen in der Beratung, was bei Ihnen medizinisch sinnvoll ist, und Sie entscheiden in Ruhe.
Wie kann ich die Heilung nach dem Knochenaufbau unterstützen?
Halten Sie sich an die Hinweise Ihrer Praxis, schonen Sie den Bereich, pflegen Sie Ihre Zähne gründlich und gehen Sie zu den Kontrollterminen. Rauchen kann die Heilung beeinträchtigen. Wenn Sie es einschränken oder aufgeben können, hilft das.